Urlaub mit Kleinkind in Davos – Schweizer Alpen im Sommer

Die Schweizer Alpen haben so viel zu bieten und das nicht nur im Winter. Wir wagten uns im August nach Davos und wollten wissen, was man im Sommer mit Kleinkind alles so machen kann. Was wir in Davos und seiner Umgebung erlebt haben, lest ihr in diesem Beitrag.

Schweizer Alpenpanorama

Schweizer Alpenpanorama

Davos

Unser Hotel, das Hilton Garden Inn Davos, war unser Ausgangspunkt für viele schöne Ausflüge in Davos und Umgebung. Als höchstgelegene Stadt Europas und mit 11.000 Einwohnern ist Davos absolut keine Großstadt. Aber auch nicht zu klein, für genügend Einkaufsmöglichkeiten, sowohl zum Shoppen als auch für den täglichen Bedarf. Allerdings muss man beachten, dass nicht alle Läden im Sommer geöffnet haben. Trotzdem ist Davos auch in der warmen Jahreszeit eine Reise wert.  Die Berge ringsherum, mit den grünen und kuschelig wirkenden Weiden, sind einfach nur herrlich. Alles sieht so saftig grün aus. Eigentlich, wie man es aus dem Fernsehen kennt, wenn mal wieder die Werbung mit der lila Kuh läuft.

Direkt vor unserem Hotel lag der sehr schöne Kurpark, mit vielen Spielplätzen und kleinen Orten zum Verweilen. Zum Spazieren gehen oder joggen einfach nur genial. Wer Davos im Sommer besucht, kann wandern, ins Freibad, an den Badesee oder Golfen. Und das sind nur einige Ausflugsziele. Warum nur zum Skifahren in die Alpen!?

Davos Klosters Card Gästekarte

Als Highlight für die Sommergäste erhält man ab einer Übernachtung in Davos die Davos Klosters Card. Eine Gästekarte mit vielen Vorteilen für den Sommer:

  • kostenlose Nutzung von Bus und Bahn in Davos
  • Vergünstigungen oder sogar freier Eintritt bei Sehenswürdigkeiten
  • kostenlose Nutzung der Bergbahnen

Was uns sehr stark aufgefallen ist, dass viele Hotels geschlossen hatten und nur den Winterbetrieb aufnehmen. Dies bestätigte man uns auch an der Rezeption in unserem Hotel. Für die meisten lohne es sich im Sommer nicht, da zu wenige Touristen kommen. Finden wir sehr schade, denn wer sich im Winter in den Alpen sportlich betätigt, kann dies auch im Sommer tun. Für alle Aktiv-Urlauber und nicht Strandgänger ist das genau das Richtige.

Milch Arena Davos – Schaukäserei

Das ganze Jahr über kann man sich donnerstags von 10-12 Uhr in der Milch Arena in Davos anschauen, wie Käse hergestellt wird. Von Mitte Juni bis Ende September lohnt sich dafür auch eine Fahrt auf die zur Milch Arena gehörende Clavadeler Alp. Mit der Davos Klosters Card ist auch hier der Eintritt frei, alle anderen Zahlen 8 CHF und Kinder unter 12 Jahren können kostenlos teilnehmen.

Wir trafen kurz vor 10 Uhr in der Molkerei ein und wurden sehr nett von Simone empfangen. Da man die Räumlichkeiten im Obergeschoss über einen Fahrstuhl erreichen kann, sind auch Familien mit Kinderwagen herzlich willkommen. Die Käseproduktion war schon im vollem Gange, denn die Bakterien die Milch zu Käse machen, richten sich nicht nach Öffnungszeiten. Glücklicherweise hatten wir noch nicht viel verpasst. In dem großzügigen Raum ist genug Platz für alle Gäste und durch die großen Glasscheiben, kann man die Arbeit der Käsemeister live verfolgen.

Simone erklärte uns alles ganz genau: Anfangen mit der Milch, wo diese herkommt und wie man aus hochprozentiger Milch 1,5% macht. Wie wird aus Milch dann Käse oder Joghurt? Wie arbeiten die Bakterien? Was passiert im Reifekeller? Und wie kommt eigentlich die Rinde an den Käse? Alles Fragen, die hier beantwortet werden. Einige Prozesse bei der Käseherstellung dauern etwas länger und diese Zeit nutzten wir, um uns einen Film über die Bergbauern und ihre Milchkühe anzuschauen. Bei unserem Besuch wurde ein Weichkäse hergestellt und wir konnten noch zuschauen, wie der Käsebruch in die Formen gefüllt wurde. Auch unser kleiner Sohn fand es spannend, auch wenn es für ihn einfach nur lustig war, dass da so viele Menschen „rumhampelten“.

Am Ende, worauf schon alle gewartet haben, gab es natürlich auch eine Verkostung von verschiedenen Käsesorten, frischer Molke (hatten wir vorher noch nie getrunken und ist sehr lecker) und Rohkäsemasse. Total überrascht war ich von Simones Hinweis zur Molke, dass diese die Milchproduktion zum Stillen anrege. Wusste ich garnicht, also gab es gleich einen Becher mehr. Fand ich sehr nett und umsichtig, so auf seine Gäste einzugehen.

Die Molkerei Davos ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Wir fanden es sehr informativ und interessant und die familiäre Atmosphäre trägt einen großen Teil dazu bei, dass man sich wohlfühlt und nicht nur wie bei einem Museumsbesuch.

Davoser See

Zum Davoser See kommt man entweder mit dem Auto oder mit dem Bus. Da die Parkplätze kostenpflichtig sind, empfehlen wir den für Besitzer der Davos Klosters Card kostenlosen Bus. Der Bergsee direkt vor dem Ortseingang von Davos ist wunderschön klar und im Sommer warm genug um Baden zu gehen. Ringsherum verläuft ein breiter Wanderweg mit nur leichten Steigungen, der sehr gut für Kinderwagen geeignet ist. Mit ca. 1 1/4 Stunde ist man nicht zu lange unterwegs und für Kinder wird es auch nicht zu anstrengend. An einem Ende des Sees befindet sich eine Wakeboard-Anlage, die, als wir vorbeiliefen, gut besucht war. Nur ein kleines Stück weiter ist ein großes kostenloses Strandbad. Hier kann man sich allerlei Zubehör für den See ausleihen, wie Standup Paddle Boards, Kayaks, man kann Windsurfen und Kanu fahren. Langweilig wird einem da bestimmt nicht.

Jakobshorn

Diese ist eine der Bergbahnen, die man mit der Gästekarte kostenlos nutzen kann. Mit der ersten Seilbahn geht es hinauf auf 1931 m zur Ischalp. Von hier aus starten zahlreiche Wanderwege bergauf und bergab. Leider keiner für Kinderwagen geeignet. Es gibt eine große Almhütte mit allerlei Schweizer Spezialitäten für das leibliche Wohl. In einer zweiten kleineren Seilbahn kommt man dann zum Jakobshorn hinauf auf 2590 m. Von hier oben gibt es dann auch Wanderwege, die für Kinderwagen geeignet sind. Allerdings muss man sich immer im Klaren sein, dass man sich in den Bergen befindet und ein halbwegs offroad-gängiger Kinderwagen von Vorteil wäre. Die Bahnen fahren alle 30 Minuten und das Personal ist sehr nett und hilfsbereit, vor allem wenn es um Eltern mit Kindern und Kinderwagen geht.

Wir genossen die Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge, auch wenn das Wetter etwas trüb war. Von hier oben sieht man erst einmal, wie viele andere Bergbahnen es noch gibt und wie weitläufig und breit das Tal eigentlich ist.

Schatzalp

Auch diese Bergbahn ist kostenlos mit der Davos Klosters Card nutzbar. Die Fahrt führt in einer Standseilbahn auf 1865 m hoch. Mit dem Kinderwagen ist es etwas beschwerlich in die Bahn zu kommen aber machbar, da man viele Treppen steigen muss. Oben angekommen gibt es das große Restaurant Schatzalp und das gleichnamige Hotel, ein ehemaliges Sanatorium. Sehr zu empfehlen ist das Alpinum. Ein botanischer Alpengarten, gegründet 1907 mit ca. 5000 Pflanzenarten. Leider ist dieser, aufgrund der vielen kleinen Treppen und steilen Hänge, nicht mit dem Kinderwagen passierbar. Nur 10 Minuten den Berg hinauf führt ein breiter Wanderweg zum nächsten Restaurant, der Strela-Alm. Außerdem gibt es hier oben noch eine Sommerrodelbahn. Diese ist aber nicht gerade sehr lang und hat nur so 8 oder 9 kleine Kurven. Der Ansturm war dennoch recht groß, denn Kindern macht so etwas immer Spaß.

Wir entschlossen uns für eine Wanderung zu einem Wasserfall. Auf der Schatzalp gibt es leider keine Wanderwege die für Kinderwagen geeignet sind. Wir sind trotzdem einfach los gegangen und wollten schauen, wie weit wir kommen. Der Rundweg dauert etwa 1 Stunde und ist unserer Meinung nach gut mit einem etwas geländegängigen Kinderwagen (keine Plastikräder) machbar. Er führt in Serpentinen durch den Wald den Berg hinauf. Man hat in Spitzkehren immer wieder einen wundervollen Blick ins Tal. Beim Wasserfall angekommen waren wir etwas enttäuscht. Im Sommer, bei heißen Temperaturen und wenig Niederschlag, ist halt nicht so viel Wasser da, was fallen kann. Trotzdem lohnt sich der Rundweg schon wegen der Aussicht.

Wasserfall am Sertigbach – Ducanfall

Nur 20 Minuten Autofahrt liegt in einem Seitental von Davos der Sertigbach. Vorbei an Sertig Dörfli bis zur Gaststätte Waslerhus, wo die letzten Parkmöglichkeiten sind. Hier startet man die etwa einstündige Wanderung. Man folgt, auf einem gemäßigten Wanderweg, dem Gebirgsbach Sertigbach bis direkt an den Ducanfall. Bis auf die letzten 100 m, ist alles mit dem Kinderwagen erreichbar. Der tosende Wasserfall ist sehr imposant und wenn man noch etwas die Steine entlang klettert, kann man sogar bis zum Becken gelangen, wo der Wasserfall hineinstürzt. Die Almwiesen mit den zahlreichen Kräutern ringsherum lassen einen an Heidi denken. Jetzt muss nur noch der Geissenpeter um die Ecke kommen.

Über den Flüelapass nach St. Moritz

Von Davos nach St. Moritz fährt man am Besten über den Flüelapass. Dieser führt über eine Höhe von 2383 m und verlangt dem Auto bei der Serpentinenfahrt so einiges ab. Ein kurzer Halt am Passhotel Flüela-Hospiz direkt am Schottensee, war daher nicht nur für unsere Erholung gut. Bei der Höhe ist es im Sommer doch recht frisch und wer von hier eine Wandertour startet, sollte auf jedes Wetter eingestellt sein.

St. Moritz

St. Moritz ist ein wunderschöner und wirklich reicher Ort, mit vielen kleinen Kirchen. Die Innenstadt liegt am Berg und ist daher etwas schwierig mit dem Kinderwagen zu erkunden. Dass was wir in der kurzen Zeit gesehen haben, waren überwiegend teure Markengeschäfte, die nichts für den Otto-normal-Verbrauch sind. Viel schöner fanden wir den Lej da San Murezzan (See von St. Moritz), bekannt durch das White Turf, das Pferderennen auf dem zugefrorenen See im Winter. Hier gibt es einen asphaltierten Rundweg, auf dem an diesem Samstag viele Leute unterwegs waren. Aufgrund der großen Fläche des Sees und der Lage im Tal ist es sehr windig und dadurch auch etwas kühl. Sehr gut allerdings für die Surfer und Segelboote, die unterwegs waren.

Das Parken in St. Moritz ist überall kostenpflichtig. Glücklicherweise ist es trotz der High Society Stadt nicht sehr teuer. Am See z.B. nur 1CHF/Stunde. Sehr innovativ fanden wir die Art den Parkplatz zu bezahlen. Man musste einfach nur die Nummer des Parkplatzes in den Automaten eingeben, dann bestimmt, wie auch in Deutschland, der Geldbetrag die Parkdauer. Man bekommt aber leider kein Wechselgeld. Nun braucht man keinen Parkschein oder Zettel mehr ins Auto zu legen, denn welcher Parkplatz belegt ist und wie lange er noch stehen darf, kann digital ausgelesen werden.

Vor unserer Fahrt zurück nach Davos, wollten wir eigentlich noch zur Olympia Schanze von St. Moritz fahren. Doch als wir dort ankamen, waren wir irgendwie irritiert, denn da war nichts weiter als ein Steinhaufen. Da fehlte doch ein Schanzentisch und sonst alles für eine Olympia Schanze?! Erst später haben wir durch eine Internetrecherche herausgefunden, dass sie 2006 stillgelegt wurde und eigentlich schon längst wieder hätte aufgebaut werden sollen. Doch wie bei so manchem Großprojekt, liegt es wiedermal am lieben Geld.

Welchen Reiseführer könnt ihr für Davos bzw. die Schweiz empfehlen?

Speziell für Davos gibt es keinen Reiseführer. Wir können euch aber dieses Buch vom ADAC* empfehlen. Hier findet ihr detaillierte und umfassende Informationen zu allen Sehenswürdigkeiten auf 144 Seiten.

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Christin

Hey, ich bin Christin und komme aus dem zauberhaften Merseburg. Während meines Studiums in Erfurt, lernte ich meinen heutigen Mann Christian kennen. Jetzt wohnen wir beide im schönen Halle/ Dölau. Durch meinen Beruf als Architektin, bin ich immer interessiert an Orten mit spannender Geschichte und großartiger Architektur. Unsere Reisen sind daher auch immer ein wenig beruflich geprägt. ;)

2 Antworten

  1. Schaukäserei! Das Wort finde ich lustig. Der Davoser See sieht himmlisch aus; Schöner Beitrag, danke!

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