Singapore Airlines Training Center – Blick hinter die Kulissen 

Innerhalb von 90 Sekunden muss ein Flugzeug evakuiert sein. Um im Ernstfall richtig und schnell zu reagieren, trainieren die Fluglinien regelmäßig ihr Personal. Aber nicht nur die Evakuierung über Notrutsche einer Airbus A380 gehört zum Trainingsplan, auch das Make-up und der Service möchten perfektioniert sein. Im Singapore Airlines Training Center konnte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Nachdem wir die nötigen Formalitäten erledigt und unseren Reisepass gegen einen Besucherausweis getauscht hatten, durften wir das Gelände des Singapore Airlines Training Center betreten. Im großzügigen Eingangsbereich waren Vitrinen mit verschiedenen Ausstellungsstücken aufgestellt. Darunter befanden sich ältere Uniformen oder Erinnerungsstücke, wie das Porzellan aus der First Class. In der aufgezeigten Heritage Gallery gab es die erste Überraschung für mich. So wusste ich nicht, dass Singapore Airlines* einmal eine Concorde im Liniendienst eingesetzt hatte.

Empfangshalle des Singapore Airlines Training Center

Empfangshalle des Singapore Airlines Training Center

Concorde im Liniendienst von Singapore Airlines

Am 26. Oktober 1977 veröffentlichten British Airways und Singapur Airlines eine gemeinsame Pressemitteilung. In dieser kündigten sie einen dreimal wöchentlichen Flug zwischen London und Singapur an. Eineinhalb Monate später, am 9. Dezember 1977, war es dann so weit. Der erste kommerzielle Concorde-Flug flog von London über Bahrain nach Singapur. Mit einer Reisedauer von neun Stunden kam dies, auf dem Weg nach Südostasien, einem Quantensprung gleich!

Für diese Route eingeplant wurde die Concorde mit der Registrierung G-BOAD. Infolgedessen bekam sie auf der linken Seite ihre Lackierung in den Farben von Singapore Airlines und rechts die von British Airways. Die Abbildung in der Heritage Gallery entspricht also nicht ganz der Realität. Haken wir es einfach als künstlerische Freiheit ab. ;) British Airways stellte außerdem die technische Crew und die Piloten. Die Flugbegleiter wurden 50/50 zwischen den beiden Airlines aufgeteilt. Heutzutage kann man die G-BOAD übrigens im Museum auf der USS Intrepid (Reisebericht 2011 & 2016), welche in New York City vor Anker liegt, besichtigen. Jedoch ist sie hier wieder vollständig in der Bemalung von British Airways zu finden.

Concorde - USS Intrepid

Concorde – USS Intrepid

Schon nach nur drei Flügen wurde die Verbindung mit der Concorde eingestellt. Grund hierfür waren Beschwerden der malaysischen Regierung wegen den Überschallflügen über der Straße von Malakka. Man fand letztendlich einen Kompromiss in der Routenführung und nahm den Service am 24. Januar 1979 erneut auf. Jedoch mit sinkenden Passagierzahlen wurde die Route am 01. November 1980 schlussendlich ganz eingestellt. (Quelle und weitere Informationen: http://www.concordesst.com)

Wie wird man Flugbegleiter bei Singapore Airlines?

Jährlich gehen bei Singapore Airlines* etwa 16.000 Bewerbungen ein. Jedoch nur die Besten 1.000 werden letztendlich zur Ausbildung im Singapore Airlines Training Center zugelassen. Mehr als 80 Prozent aller Singapore Girls stammen aus Singapur oder Malaysia. Die Restlichen kommen aus asiatischen Ländern wie China, Indien, Indonesien, Japan, Korea und Hong Kong. Insgesamt sind rund 40% der Flugbegleiter von Singapore Airlines männliche. Heißen die dann eigentlich Singapore Boys? :D

Am Anfang der Karriere als Flugbegleiter bei Singapore Airlines steht eine 16-wöchige Ausbildung. In intensiven Trainingseinheiten werden Sicherheitsmaßnahmen, Evakuierungsvorschriften, Etikette, Erste Hilfe, Make-up und z.B. Weinkunde geschult. Das Kabinenpersonal kennt sich somit in allen Bereichen der Passagierbetreuung und des Service an Bord aus.

Nachdem die vier Monate Ausbildung im Singapore Airlines Training Center erfolgreich abgeschlossen sind, dürfen die Absolventen endlich ihre Erfahrungen in der Praxis umsetzten. Anfangs werden die „Neuen“ nur in der Economy Class und hauptsächlich an Bord der Boeing 777 und der Airbus A330 eingesetzt. Erst nach einigen Monaten Berufserfahrungen folgen die Airbus 380 und 350. Ein Wechsel von der Economy in die Business Class ist übrigens erst nach 18 Monaten und einem sechstägigen Training inklusive Prüfung möglich. Um sich für den Einsatz in der First Class zu bewerben, sollte man als Flugbegleiter drei bis fünf Jahre im Unternehmen arbeiten. Selbstverständlich folgt auch hier ein intensives Training, welches mindestens einen Monat Zeit beansprucht.

Die Singapore Girls können vier unterschiedliche Stufen in ihrer Karriere erlangen. Für Fluggäste werden diese durch die vier verschiedenfarbigen Sarong Kebayas (beim männlichen Kabinenpersonal durch die Farbe der Krawatte) symbolisiert: Blau – Flight Stewardess, Grün – Leading Stewardess, Rot – Chief Stewardess und Bordeauxrot – Inflight Supervisor.

Singapore Girls (Quelle: Singapore Airlines)

Singapore Girls (Quelle: Singapore Airlines)

Die einzelnen Ausbildungsstationen im Singapore Airlines Training Center möchte ich euch in den kommenden Abschnitten kurz vorstellen.

Singapore Airlines Servicetraining

Der Service ist das Aushängeschild einer Airline. Dementsprechend wird dieser im Singapore Airlines Training Center auch gewissenhaft geübt. In mehreren verschiedenen Mock-ups (Modelle von Flugzeugen) müssen die angehenden Flugbegleiter ihr Servicetraining absolvieren. Dies fängt an mit dem Servieren von Essen und Getränken und hört z.B. auf bei der Zubereitung dieser in der funktionstüchtigen Galley (Bordküche). Mit fortschreitender Karriere und dem Einsatz in der Business bzw. First Class, werden dann noch spezielle Themen wie beispielsweise die Weinkunde oder das Anrichten der Speisen gelehrt.

Singapore Airlines Sicherheitstraining

Die Sicherheitstrainings führen Flugbegleiter und Piloten gemeinsam durch. Dies ist besonders wichtig, da im Ernstfall auch die Zusammenarbeit untereinander reibungslos funktionieren muss. In der großen Halle im Singapore Airlines Training Center stehen dazu zwei sogenannte „Door Trainer“ (Flugzeugtüren einer Airbus A350 und A330) und Notrutschen der Airbus A380 und Boeing 777 zur Verfügung.

Wie trainiert man eine Notlandung bzw. die Evakuierung des Flugzeuges?

„Put on life vest!“, ruft eine Frau hastig und mit hohem Ton. Mit einem beherzten Ruck öffnet sich die Tür des Airbus A330 Mock-ups und eine zierliche Flugbegleiterin fordert die imaginären Passagiere zum Evakuieren des Flugzeuges auf. Bei dieser Übung spüre ich eine leichte Gänsehaut, frage mich aber, ob ich die dünne Stimme der jungen Frau im realen Notfall wirklich gehört hätte.

Nachdem die Türen erfolgreich geöffnet wurden, muss ein Flugzeug im Notfall auch komplett geräumt werden. Bei der Evakuierung der Passagiere kommt es immer auf Geschwindigkeit an. Zu diesem Zweck sind in der riesigen Halle des Singapore Airlines Training Center ein Kabinenteil der Boeing 777 und der Airbus A380 in Originalhöhe montiert. An der Seite hängen zwei dicke, graue Gummirutschen bis zum Boden herab. Unser Guide spricht das Offensichtliche aus: „… hier wird das Rutschen geübt.“. Trotz mehrmaligen Fragens und Bittens durfte ich aus versicherungstechnischen Gründen leider nicht rutschen. Wir konnten dann aber unseren Guide überzeugen, sich einen Overall überzuziehen und uns einmal die Benutzung der Notrutsche zu demonstrieren. Ich habe das für euch einmal in Slow Motion mit meinem iPhone aufgezeichnet.

Im zweiten Raum des Sicherheitstrainingszentrums befindet sich ein großes Schwimmbecken und ein weiterer kleiner Teil einer Flugzeugkabine. Während unseres Besuches trainierte gerade eine Crew von Tigerair die Evakuierung nach einer Notwasserung. In ihrer Arbeitskleidung und mit Schwimmweste sprangen sie aus der etwa zwei Meter über der Wasseroberfläche befindlichen Flugzeugtür in das kühle Nass. Die künstlich erzeugten Wellen erschwerten das Schwimmen zur gelben Rettungsinsel. Beim Zuschauen stellte ich mir die Frage, was schwieriger für die Crew sein muss: mit der durchnässten und damit schweren Kleidung gegen die Wellen anzukommen oder in die Rettungsinsel zu gelangen.

Make-up und Haare

Mit Themen wie Make-up und Frisuren kenne ich mich nun überhaupt nicht aus. Deshalb fühlte ich mich in dem Schulungsraum, welcher mich stark an einen Besuch in der Parfümerie erinnerte, auch irgendwie etwas befremdlich. An jeder Seite des Raumes saßen die angehenden Singapore Girls vor einem Spiegel und bearbeiteten ihr Haare. In der Raummitte zählte eine Dame, eine Stylistin von Lancôme, mit fast militärischem Ton die Zeit herunter. Dabei wird es den Damen schon recht einfach gemacht, indem man ihnen die Farben des Make-up und auch die Frisuren vorschreibt. Sollte es mal nicht passen, werden die Haare auch kurzerhand abgeschnitten. So hart dies klingen mag, wird sich in diesem Raum sicherlich Keine heulend hinstellen, wie so manches Mädchen in der Show von Heidi Klum.

Tipps und Informationen für Singapur

Wie kommt man hin?

Singapore Airlines* fliegt 24 Mal pro Woche von Deutschland (Frankfurt 14x, München 7x & Düsseldorf 3x) nonstop nach Singapur. Die Strecke ab Düsseldorf wird mit der neuen Airbus A350 geflogen. Außerdem bietet auch die Lufthansa* eine tägliche Direktverbindungen ab Frankfurt an.

Wo übernachtet man gut?

Die Auswahl an Hotels in Singapur ist riesig, so gibt es allein über vierzig 5-Sterne-Hotels. Im luxuriösen The Ritz-Carlton Millenia an der Marina Bay (Hotel Bewertung) kostet beispielsweise ein Zimmer ab 340 Euro die Nacht. Wer jedoch etwas günstiger wohnen möchte, der wird sicherlich über Buchungsportale wie Expedia*, Agoda* oder Booking.com* fündig. Transitpassagiere von Singapore Airlines* können im Rahmen des „Singapore Stopover Holiday“-Programms ab 28 Euro pro Person im Doppelzimmer (inklusive Flughafentransfer) übernachten.

Wie kommt man rum?

Singapur hat ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz. Die Fahrt mit der modernen U-Bahn (MRT) oder mit einem Linienbus ist günstig und zuverlässig. Ferner sind eine Vielzahl an Taxis in Singapur rund um die Uhr unterwegs. Beachten sollten man hierbei, dass zusätzlich zum Fahrpreis (per Taxameter) noch die Straßenmaut (ERP – Electronic Road Pricing) fällig wird. Mietwagen werden selbstverständlich auch angeboten. Wir würden jedoch, und das nicht nur aufgrund des Linksverkehr, davon abraten.

Was benötige ich zur Einreise?

Für die Einreise nach Singapur benötigt man als deutscher Staatsbürger lediglich einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Bei der Einreise erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung für bis zu 90 Tage. Kinder benötigen ein eigenes Ausweisdokument. Weitere Informationen, insbesondere zu den strikten Zollvorschriften, findet ihr außerdem auf der Informationsseite des Auswärtigen Amtes.

Wie steht es um die Sicherheit?

Singapur gilt als eine der sichersten Metropolen in Asien. Schließlich geht der Stadtstaat konsequent gegen Verbrechen jeglicher Art, auch vermeintlichen „Kleinigkeiten“ wie z.B. das Wegwerfen von Abfall, vor. Ferner sind die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gegen Kleinkriminalität zu beachten.

Welchen Reiseführer für Singapur könnt ihr empfehlen?

Für den perfekten Städtetrip nach Singapur empfehlen wir dir diesen Reiseführer*. Hier findest du nicht nur einen detaillierten Stadtplan, sondern auch jede Menge Infos zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Singapore Airlines und das Singapore Tourism Board. An dieser Stelle nochmals ein herzlicher Dank für die Kooperation und Betreuung. Dieser Beitrag stellt unsere freie und unabhängige Meinung dar. Weitere Informationen zur Unabhängigkeit findet ihr unter dem Punkt Kooperation.

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Unsere Bewertung des Singapore Airlines Training Center

Christian

Mein Name ist Christian und ich bin im grünen Herzen Deutschlands geboren und habe im thüringischen Ilmenau Ingenieurinformatik studiert. Seit 2012 wohne ich mit meiner Frau Christin in Halle (Saale). Am Reisen liebe ich das Fliegen, das Entdecken von gutem Essen und Trinken und das Übernachten in tollen Hotels. Ich bin reisebegeistert und immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Über meine Erlebnisse von unterwegs berichte ich schon seit 2007.

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